Boa Arten in Haltung

BC Amarali Brasilien

BOA CONSTRICTOR AMARALI, DOTTED BLOODLINE
Wissenschaftlicher Name: Boa constrictor amarali
Trivialnamen: Amarali-Boa, Kurzschwanzboa

Besonderheit hier: Die „Dotted Bloodline linie“ ist eine genetisch aberrante (untypische) Zeichnung, die durch selektive Zucht verstärkt wurde.
Namensgebung: Der Namen für Boa c. amarali bezieht sich auf Dr. Afrânio Do Amaral, ein brasilianischer Tropenmediziner und Zoologe, der dafür geehrt wurde, da er sich ausgiebig mit Amarali Boas aller Regionen auch wissenschaftlich beschäftigte.
Die Amarali Boas (Südbrasilien, seltener Südost Bolivien) wurden erstmals 1932 von Olive G. Stull als neue Unterart beschrieben.
Diskussion der Zuordnung als eigene Unterart: Es wird inzwischen in der Literatur diskutiert bzw. angenommen, dass die BCA dotted bloodline eher mit BCC verwandt ist, was sich insbesondere auf die südbrasilianischen Tiere bezieht (größer und schwerer als die grauen/braunen Bolivianer Amaralis).
Allerdings sind die Anzahlen der verschiedenen Schuppentypen (Ventralia, Dorsalia und Subcaudalia) im Vergleich zu denen von Boa constrictor constrictor abweichend. Aufgrund dieser eindeutigen Unterschiede wurde die Amarali-Boas als eigene Unterart deklariert.
Persönliche Anmerkung: Das Wissen, zu welcher Region Zeichnungsvarianten einer Unterart gehören war für mich nie der entscheidende Kaufgrund! Natürlich sollen es reinrassige Tiere sein, ob sie aber zu Brasilien oder Bolivien gehören war für mich nie entscheidend.
Allerdings hat mich das eindeutig spektakuläre Aussehen der „Dotted Bloodline Linie“ sofort gecatcht! Folglich habe ich sie in den Jahren 2011 und 2015 aus 1. Hand als Nachzuchten von H+E Stöckl erworben. Ich habe es bis heute nicht bereut! Das sie außerdem eher selten sind in der Terraristik – wusste ich damals noch nicht.
Größe und Körperbau, Wachstum: Eher gedrungene und massive Körper, eher kurze Schwänze im Vergleich zu klassischen „Boa constrictor constrictor“.
Große Köpfe, diese sind insbesondere bei weiblichen Tieren ausgeprägt. Männchen erreichen eine Länge von ca. 1,60m bis 1,90m, Weibchen bis 2,20m.
Amarali Boas wachsen deutlich langsamer als sonstige Boas. Mein Weibchen hatte nach 6 Jahren etwa 5000 Gramm und das Männchen ca. 3500 Gramm an Gewicht.

BCA, Zuchtmännchen fast zeichnungslos
BCA, Zuchtmännchen fast zeichnungslos

Schwierigkeitsgrad: Anspruchsvoller als z.B. Imperatorenboas, aber durchaus machbar. Tiere sind sehr robust und haben ein eher ruhiges Verhalten, insbesondere aufgezogene Jungtiere bleiben auch im Alter sehr umgänglich. Nicht angriffslustig aber auch kein Spielzeug! Man sollte idealerweise Erfahrungen in der Schlangen- besser Boahaltung haben.
Zucht ist anspruchsvoller als bei üblichen Bcc oder Bci.

Geschlechtsreife: Die Geschlechtsreife tritt auch gegenüber den klassischen Boa c. c. später ein, gewöhnlich erst mit ca. 6 Jahren beim Weibchen, beim Männchen ab etwa 4 Jahren.

Haltung: Großes geräumiges Terrarium mit Höhenablage ( Balkone ) und ausreichend großem Wasserbecken

Ich bevorzuge Einzelhaltung, das macht das Füttern und ein evtl. notwendiges Herausnehmen der Boa einfacher und streßt die Boa nicht so. Die Männchen sollten getrennt von den Weibchen gehalten werden, das dürfte die Paarung mehr stimulieren. Auf Äste verzichte ich, da dann ein Entnehmen recht schwierig werden kann, insbesondere bei vorhandenen Astgabeln. Der Boden sollte frei sein, alle Ecken müssen zugänglich sein, um eine gute Hygiene zu ermöglichen.

BCA Zuchtweibchen mit 13 dotts
BCA Zuchtweibchen mit 13 dotts

Temperaturen: Tagsüber bei 28 – 32 Grad auf den Balkonen und bei ca. 26 Grad am Boden. Nachtabsenkung auf etwa 22 Grad, im Winter bzw. Paarungssaison runter auf 21 bis 20 Grad
Beleuchtung: 12 Stunden tagsüber von etwa April bis November. In der Paarungszeit suksessive runter bis auf 9-10 Stunden.
Luftfeuchtigkeit: Liegt meist zwischen 50 bis 70% je nach Jahreszeit. Vor den Häutungen wird nochmal extra besprüht. Ein kurzzeitiges Absacken auf 40% ist kein Problem. Die Amaralis sind da eher recht anspruchslos.

Pflege: Wasserwechsel regelmäßig durchführen! Größere Becken bleiben länger stabil (Bakterien). Ansonsten Wechsel nach Bedarf und vor Nachbefüllung desinfizieren und reinigen,
Tägliche Kontrolle nach Kot und Urinresten! Direkt reinigen und ggf. feucht nachwischen. Eventuell Einstreu auffüllen.

Fütterungsempfehlung: Babys alle 7-10 Tage, 1-jährige Tiere alle 10-12 Tage, Subadulte Boas alle 14 Tage, adulte Boas ca. alle 3-5 Wochen, wobei eher die Weibchen alle 3-4 Wochen gefüttert werden. Ist auch abhängig von dem Futtergewicht.
Futtermenge: Nicht mehr als ca. 10% des Körpergewichtes der Tiere im ersten Jahr, geduldig sein! Danach kann gesteigert werden, sehe aber als Maximum 20% Des Körpergewichtes. Adulte Tiere, insbesondere Weibchen, vertragen vor der Paarungszeit und nach einer Geburt Futtergrößen von bis zu 1,5 Kg (z.B. mit Kaninchen, Meerschweinchen)

Aufnahme vom 30.06.2026 bei der Geburt der BCA dotted line babys

Paarung/Zucht: Es empfiehlt sich mindestens 2 Männchen bei einer Paarung einzusetzen! Man muss geduldig sein, Amaralis sind nicht immer in Zuchtlaune!
Vor allem die Weibchen scheinen launig zu sein und sich an nicht offensichtlichen Kleinigkeiten zu stören. Vielleicht spielen auch die Hormone nicht immer mit.
Außerdem verfügt ein BCA Weibchen über die seltene Fähigkeit, bereits gefüllte Eier nach der Ovulation wieder vollständig zu resorbieren, d.h. es werden auch keine „Slugs“ bzw. unbefruchteten Eier abgesetzt. Dies ist mir 2x passiert, ich wollte das zunächst kaum glauben! Meine Tierärztin hat mich über diese besondere Fähigkeit des Resorbierens aufgeklärt.
Danach habe ich auch ein 2. Männchen zur Paarung eingesetzt, die Tiere in der Paarungszeit nicht gefüttert und so wenig wie möglich Störungen erzeugt. Ich war bisher 3 x damit erfolgreich.
Gezüchtet wird maximal alle 2-3 Jahre! Die Mutter muss sich ausreichend erholen können mit vernünftigen Futtermengen. Der Abstand von 2-3 Jahren wirkt sich positiv auf die Größe der Babys. Sie sind kräftiger
Ø 70 Gramm und dadurch bereits deutlich robuster als 40 bis 50 Gramm Babys.

BCA Zuchtmännchen 2
BCA Zuchtmännchen 2

TiPP: Die ersten 2 bis 3 Fütterungen nach einer Geburt beginne ich zunächst mit 400 bis 500 Gramm schweren Ratten.
Der Stoffwechsel soll sich erstmal wieder ans Verdauen gewöhnen. Auch hier, geduldig sein!

!! Tipp: Möglichst erst abends ab 19.30h füttern, damit die Tiere entsprechend konditioniert werden. Füttert man zu jeder Tageszeit, was auch ginge, bleiben die Tiere stets unruhig und reagieren nervöser, wenn man sich dem Terra nähert, bzw. die Glastüren oder Glasscheiben öffnet, denn sie denken immer ....es könnte ja jetzt Futter geben!

So genug erzählt! Seht Euch die Bilder an und schreibt mir gerne einen Kommentar.